Gründungsdirektor des UNESCO‑Welterbezentrums. Forstwissenschaftler, Ökologe, Mediator zwischen Nationen — und Chronist von 53 bedrohten Stätten unseres gemeinsamen Erbes.
Von den 12 ersten Welterbestätten bis zur heutigen unüberschaubaren Liste: Bernhard Freiherr Droste zu Hülshoff hat den Aufstieg und die Krise der UNESCO‑Idee hautnah miterlebt.
In seinem Buch nimmt der Gründungsdirektor des Welterbezentrums seine Leser:innen mit zu 52 Orten, die unsere Identität prägen, und berichtet von ihren dramatischen Veränderungen: durch den Übergang von einer regelbasierten Ordnung zu einer machtbesessenen Weltunordnung, durch den menschengemachten Klimawandel und durch rücksichtslose wirtschaftliche Interessen. Ob Venedig, Timbuktu, das Große Barriere‑Riff oder die Tropenwälder im Amazonas — viele dieser großartigen Schöpfungen der Natur und des Menschen stehen am Abgrund.
Dieses Buch bietet exklusive Einblicke in die Arbeit hinter verschlossenen Türen. Es zeigt auf, wie die Menschheitsidee des gemeinsamen Erbes zum Spielball der Mächtigen wurde und welche Herausforderungen warten. Authentisch, fundiert und bewegend erzählt, eröffnet der Autor neue Blickwinkel und erinnert daran, wofür das Welterbe über seine Bauwerke und Landschaften hinaus eigentlich steht — ein richtungsweisendes Buch darüber, was in unserer Welt wirklich wesentlich sein sollte.
Eine Weltkarte aller derzeit auf der Roten Liste der UNESCO geführten Welterbestätten. Klicken Sie auf eine Stätte, um Hintergründe und Bedrohungslage zu erfahren. Stand: November 2025.
Bernhard Freiherr von Droste zu Hülshoff — in Familie und Öffentlichkeit nur Bernd genannt — wurde am 17. September 1938 in Essen geboren. Als Spross einer westfälischen Familie, deren Wurzeln über neun Jahrhunderte zurückreichen und die mit der Dichterin Annette von Droste‑Hülshoff einen Ehrenplatz in der deutschen Literatur einnimmt. Aufgewachsen in Betzdorf, Haus Junkernthal und Adenau, prägte ihn früh die Welt des Waldes: sein Vater Mariano war Oberlandesforstmeister.
Nach dem Abitur am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg (1957) und einem Lehrjahr beim Forstamt Mayen studierte er Forstwissenschaften in Hann. Münden, Wien und München. Praktische Stationen führten ihn schon als Studenten als Flößer nach Finnland, in die Wälder der Türkei und nach Südschweden. 1961 brachte ihn ein Stipendium nach Stellenbosch in Südafrika, wo er an der Großtierforschung im Kruger‑Nationalpark mitwirkte.
Nach Promotion (summa cum laude, 1969) und Forschungstätigkeit an der Universität München wechselte Droste zu Hülshoff 1973 nach Paris zur UNESCO. Aus dem „first officer“ in der Abteilung Ökologische Wissenschaften wurde 1984 deren Direktor und Sekretär des Programms Der Mensch und die Biosphäre (MAB) — jenes Programms, aus dem die weltweiten Biosphärenreservate hervorgegangen sind.
1992 schlug er die Zusammenlegung der bis dahin getrennten Sekretariate für Weltnatur‑ und Weltkulturerbe vor. UNESCO‑Generaldirektor Federico Mayor folgte dem Vorschlag — und Droste zu Hülshoff wurde Gründungsdirektor des heute weltweit renommierten Welterbezentrums sowie Generalsekretär der Welterbe‑Konvention. 1998 erhob ihn die UNESCO zum Beigeordneten Generaldirektor (ADG).
Parallel zur Aufbauarbeit des Zentrums schuf Droste zu Hülshoff publizistische Instrumente, mit denen die Welterbe-Idee in alle Welt getragen wurde. Ab 1996 gab er im zweimonatlichen Rhythmus die Zeitschrift World Heritage heraus — heute in englischer, französischer und spanischer Sprache mit einer Auflage von rund 50.000 Exemplaren weltweit. Ab dem Jahr 2000 führte sein Nachfolger Francesco Bandarin die Publikation weiter.
In den neunziger Jahren konzipierte er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Welterbezentrums, des UNESCO-Erziehungssektors und der norwegischen UNESCO-Kommission das Lehrmaterial Welterbe in jungen Händen. Das Werk wurde in 43 Sprachen übersetzt und fand in 130 Ländern Eingang in den Schulunterricht. Die Mittel für die Erarbeitung der Texte konnte er bei Rhône-Poulenc und der norwegischen Regierung einwerben.
Bereits zuvor — in den achtziger und neunziger Jahren — war er Herausgeber der dreisprachigen Zeitschrift Nature & Resources, die eine Auflage von über 20.000 Exemplaren erreichte.
Seit dem Eintritt in den Ruhestand 1999 ist er als Gutachter, Berater und Mediator für UNESCO, IUCN, EU‑Kommission und Weltbank tätig. Mehr als 100 Staaten hat er bereist, oft als Team‑Leader bei der Überprüfung des Zustands von Welterbestätten. Zu seinen Mandaten zählten die Galápagos‑Inseln, der Schutz Petras in Jordanien, die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal und die Pilgerrouten der Kii‑Halbinsel in Japan.
Als Honorarprofessor lehrte er an der Europa‑Universität Viadrina, gastweise an der Brandenburgischen Technischen Universität sowie an den Pekinger Eliteuniversitäten Beida und Tsinghua. Droste zu Hülshoff arbeitet in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.
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